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Ratgeber

Iliosakralgelenk-Blockade: Schmerzen, Übungen, Behandlung

Iliosakralgelenk-Blockade: wie sich ISG-Schmerzen äußern, welche Übungen bei der Funktionsstörung geeignet sind und wann eine Entzündung infrage kommt.

Verfasst von
Verfasst von Blacklyne im Auftrag von Rundum Gesund
Aktualisiert
Aktualisiert am 13. Oktober 2026
Lesezeit
6 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

Bei einer Iliosakralgelenk-Blockade bilden Bewegung, gezielte Übungen für Becken- und Gesäßmuskulatur sowie Wärme die Grundlage der Behandlung. In der Physiotherapie auf ärztliche Verordnung kann die Manuelle Therapie hinzukommen, mit der das Gelenk schonend mobilisiert wird. Bei vielen Betroffenen klingen die Beschwerden innerhalb weniger Wochen ab. Bestehen eine Morgensteifigkeit von mindestens 30 Minuten und Rückenschmerzen, die sich durch Bewegung bessern, sollte ärztlich eine Entzündung ausgeschlossen werden.

Was hilft bei einer Iliosakralgelenk-Blockade?

Kurzfristig zielt die Behandlung darauf, die Schmerzen zu verringern und die Beweglichkeit im Gelenk zu verbessern; dafür kommen in der Physiotherapie Manuelle Therapie und Wärme infrage. Langfristig entscheidend ist die Kraft der Gesäß- und Rumpfmuskulatur, die das Becken stabilisiert und an der die Übungen weiter unten ansetzen.

Schonung ist hier ebenso wenig zielführend wie beim Hexenschuss; die Leitlinie zum Kreuzschmerz empfiehlt, körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten, und rät von Bettruhe ab.

Wo liegt das Iliosakralgelenk, und was bedeutet Blockade?

Das Iliosakralgelenk, kurz ISG, verbindet das Kreuzbein mit den beiden Darmbeinschaufeln des Beckens; es ist also beidseits angelegt. Von hinten liegt es etwa unter den beiden Grübchen oberhalb des Gesäßes.

Das Gelenk bewegt sich nur um wenige Millimeter und wird von kräftigen Bändern stabilisiert. Es dämpft Stöße beim Gehen, Springen und Treppensteigen. Als Blockade bezeichnen Betroffene meist einen plötzlichen, einseitigen Schmerz mit dem Gefühl, dass im Becken etwas festsitzt. Fachlich spricht man von einer Funktionsstörung des ISG oder einem ISG-Syndrom; eine Verrenkung oder Ausrenkung liegt dabei nicht vor.

Typische Auslöser sind ein Fehltritt, etwa von einer Bordsteinkante, einseitiges Heben, langes Sitzen mit übergeschlagenen Beinen oder eine Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt lockern hormonelle Veränderungen den Bandapparat, sodass das Becken weniger stabil ist.

Wie äußern sich Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Der Schmerz liegt meist einseitig tief unten neben der Wirbelsäule. Er kann ins Gesäß, in die Leiste und in die Rückseite des Oberschenkels ausstrahlen, selten bis unterhalb des Knies. Verstärkt wird er häufig beim Aufstehen aus dem Sitzen, beim Treppensteigen, im Einbeinstand und beim Umdrehen im Bett.

Mehrere Krankheitsbilder verursachen ähnliche Beschwerden. Die Tabelle ordnet sie grob ein.

Beschwerdetypische Schmerzlokalisationtypische Auslöser oder Begleitzeichen
ISGeinseitig tief unten, Gesäß, selten unterhalb des KniesAufstehen, Treppensteigen, Einbeinstand
Ischiasvom Gesäß bis in Unterschenkel und FußKribbeln oder Taubheit im Bein
HüfteLeiste, Vorderseite des OberschenkelsAnziehen von Socken, Einsteigen ins Auto

Einen Befund ersetzt diese Übersicht nicht. Mehr über ins Bein ausstrahlende Schmerzen finden Sie in unserem Beitrag über Ischias-Schmerzen.

Welche Übungen eignen sich bei Beschwerden im Iliosakralgelenk?

Führen Sie die Übungen einmal täglich durch, langsam und nur im schmerzfreien Bereich. Ein leichtes Ziehen ist unbedenklich; ein stechender Schmerz ist das Signal, die Übung abzubrechen.

  • Knie zur Brust. Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie ein Bein auf. Ziehen Sie das Knie der schmerzenden Seite mit beiden Händen sanft in Richtung Brust. 20 Sekunden halten, drei Wiederholungen.
  • Beckenschaukel. In Rückenlage sind beide Beine aufgestellt. Lassen Sie die Knie gemeinsam langsam ein Stück nach links und nach rechts sinken. Zehn Wiederholungen je Seite.
  • Dehnung der Gesäßmuskulatur. In Rückenlage sind beide Beine aufgestellt. Legen Sie den Außenknöchel des einen Beins auf das Knie des anderen und ziehen Sie dann den unteren Oberschenkel zu sich heran, bis Sie im Gesäß eine Dehnung spüren. 20 bis 30 Sekunden halten, zwei Wiederholungen je Seite.
  • Brücke. In Rückenlage sind die Füße hüftbreit aufgestellt. Heben Sie das Becken an, bis Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Fünf Sekunden halten, langsam absenken, zehn Wiederholungen. Die Brücke kräftigt die Gesäßmuskulatur, die das Becken stabilisiert.
  • Diagonales Arm- und Beinstrecken. Im Vierfüßlerstand strecken Sie den rechten Arm und das linke Bein, halten kurz und wechseln die Seite. Fünf Wiederholungen je Seite. Diese Übung kommt hinzu, sobald die akuten Schmerzen abgeklungen sind.

Lässt sich eine ISG-Blockade selbst lösen?

Mit den beschriebenen Übungen können Sie selbst beitragen. Von ruckartigen Selbstversuchen oder einem „Einrenken“ durch Laien raten wir ab. In der Manuellen Therapie mobilisieren wir das Gelenk nach ärztlicher Verordnung und Befund mit kontrollierten Techniken; die Leitlinie nennt Mobilisation als mögliche Behandlung, wenn Warnhinweise ausgeschlossen sind. Ziel ist, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu verringern. Für eine dauerhafte Stabilität ist jedoch Kraft in der Gesäß- und Rumpfmuskulatur erforderlich, die Sie mit den Übungen aufbauen.

Kann das Iliosakralgelenk entzündet sein?

Ja, eine Entzündung des Iliosakralgelenks heißt Sakroiliitis. Häufig ist sie Teil einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung der Wirbelsäule, der axialen Spondyloarthritis; die Form mit im Röntgenbild sichtbarer Sakroiliitis wird auch Morbus Bechterew genannt. Hinweise sind tiefsitzende Rückenschmerzen, die schleichend vor dem 45. Lebensjahr begonnen haben und länger als zwölf Wochen bestehen, außerdem eine Morgensteifigkeit von mindestens 30 Minuten, frühmorgendlicher Schmerz oder nächtliches Erwachen und wechselseitiger Gesäßschmerz. Bewegung lindert die Beschwerden, Ruhe dagegen nicht (entzündlicher Rückenschmerz).

Wenn diese Merkmale auf Sie zutreffen, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis an. Die Diagnose stellt eine rheumatologische Fachpraxis; die Physiotherapie begleitet die Behandlung anschließend.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Die folgenden Zeichen sind ein Notfall. Suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf oder wählen Sie den Notruf 112, wenn

  • Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftreten,
  • ein Taubheitsgefühl im Genital- oder Gesäßbereich (Reithosenanästhesie) besteht,
  • das Bein plötzlich an Kraft verliert.

Zeitnah ärztlich untersuchen lassen sollten Sie die Beschwerden, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Der Schmerz ist nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten.
  • Taubheit oder Kribbeln im Bein kommen hinzu.
  • Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl kommen hinzu.
  • Die Beschwerden bessern sich nach zwei bis drei Wochen nicht.
  • Die oben beschriebenen Anzeichen einer Entzündung treffen auf Sie zu.

Behandlung bei Rundum Gesund

Im Befund untersuchen wir neben dem Becken auch die Lendenwirbelsäule und die Hüftgelenke, da die Beschwerden häufig von dort mitverursacht werden. Anschließend behandeln wir mit Manueller Therapie, die mehrere Kolleginnen und Kollegen im Team anbieten, und mit Krankengymnastik. Zur Stabilisierung von Becken und Rumpf eignet sich im weiteren Verlauf die Krankengymnastik am Gerät. Auf ärztliche Verordnung (Privatrezept) ist auch eine Behandlung mit Osteopathie möglich; Osteopathie ist kein Heilmittel der gesetzlichen Krankenversicherung, einige Kassen beteiligen sich als freiwillige Satzungsleistung.

Mit einer Heilmittelverordnung (Muster 13) rechnen wir direkt mit Ihrer Krankenkasse ab. Für Privatversicherte und Selbstzahler auf Privatrezept gelten folgende Preise:

LeistungDauerPreis
Krankengymnastik20 Minuten35 Euro
Manuelle Therapie20 Minuten39 Euro
Krankengymnastik am Gerät40 Minuten48 Euro
Osteopathie50 Minuten75 bis 100 Euro

Alle Preise finden Sie unter Preise für Privatversicherte und Selbstzahler. Mehr zur Manuellen Therapie auf Privatrezept lesen Sie unter Manuelle Therapie auf Privatrezept, zur Osteopathie unter Osteopathie und Krankenkasse.

Einen Termin in der Wittenauer Straße 9 erhalten Sie unter 030-7672 6377 oder über Kontakt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine ISG-Blockade?

Bei vielen Betroffenen klingen die Schmerzen innerhalb weniger Wochen ab, mitunter bereits nach einigen Tagen. Tritt nach zwei bis drei Wochen keine Besserung ein, lassen Sie die Beschwerden bitte ärztlich abklären.

Welche Schlafposition entlastet das Iliosakralgelenk?

Vielen Betroffenen hilft die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien, weil das Becken dabei in einer neutralen Stellung liegt. In Rückenlage entlastet ein Kissen unter den Knien.

Hilft Wärme bei einer ISG-Blockade?

Viele Betroffene empfinden Wärme als wohltuend; die Leitlinie zum Kreuzschmerz nennt sie als mögliche Ergänzung zu aktivierenden Maßnahmen. Nimmt der Schmerz unter Wärme zu, lassen Sie die Ursache ärztlich überprüfen.

Wer behandelt ISG-Beschwerden bei Rundum Gesund in Berlin-Wittenau?

Mehrere Kolleginnen und Kollegen in unserem Team haben die Weiterbildung in Manueller Therapie abgeschlossen. Sie behandeln auf ärztliche Verordnung, als Kassen- oder Privatrezept, in der Wittenauer Straße 9.

Quellen