Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?
Die konservative Behandlung zielt darauf, die Schmerzen so weit zu lindern, dass Sie in Bewegung bleiben können. Sie besteht aus Bewegung, Physiotherapie und vorübergehend aus Schmerzmitteln, die Bewegung in der akuten Phase überhaupt erst ermöglichen. Empfohlen wird, so aktiv zu bleiben, wie es die Beschwerden zulassen; von längerer Bettruhe wird heute abgeraten. Bei etwa 90 von 100 Betroffenen klingen die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen ab.
Eine Operation ist vor allem dann angezeigt, wenn die Kompression einer Nervenwurzel zu ausgeprägten oder zunehmenden Lähmungen (Paresen) oder zu Funktionsstörungen von Blase und Darm führt. Auch starke Schmerzen, die trotz Behandlung 6 bis 12 Wochen anhalten, können eine Indikation sein. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was geschieht bei einem Bandscheibenvorfall?
Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, die aus einem festen Faserring (Anulus fibrosus) und einem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus) bestehen. Bei einem Vorfall reißt der Faserring ein, und Kernmaterial tritt nach außen. Drückt es auf eine Nervenwurzel, strahlt der Schmerz aus, an der Lendenwirbelsäule (LWS) ins Bein, an der Halswirbelsäule (HWS) in Schulter und Arm.
Viele Menschen weisen im MRT eine Vorwölbung der Bandscheibe auf, ohne Beschwerden zu haben. Der Bildbefund allein erlaubt daher kaum Rückschlüsse auf die Stärke der Symptome und den weiteren Verlauf.
| Im Vergleich | konservativ | Operation |
|---|---|---|
| Indikation | bei den allermeisten Vorfällen | bei ausgeprägter oder zunehmender Lähmung, Blasen- oder Darmstörung, anhaltend starken Schmerzen |
| Maßnahmen | Bewegung, Physiotherapie, Schmerzmittel, bei Bedarf Injektionen an die Nervenwurzel | Entfernung des vorgefallenen Gewebes |
| Nachbehandlung | Kraftaufbau und Übungen für zu Hause | Rehabilitation und Physiotherapie |
Welche Übungen eignen sich bei einem Bandscheibenvorfall der LWS?
Beginnen Sie behutsam und bewegen Sie sich nur in dem Umfang, in dem der Schmerz nicht weiter ins Bein ausstrahlt. Zieht er sich in Richtung Rücken zurück (Zentralisation), ist das ein günstiges Zeichen.
- Stufenlagerung. In Rückenlage liegen die Unterschenkel auf einem Stuhl, Hüft- und Kniegelenke sind etwa rechtwinklig gebeugt. Fünf bis zehn Minuten, mehrmals täglich.
- Beckenkippung. In Rückenlage mit aufgestellten Beinen drücken Sie den unteren Rücken leicht in die Unterlage und lösen die Spannung wieder. Zehn Wiederholungen.
- Unterarmstütz in Bauchlage. Stützen Sie sich in Bauchlage auf die Unterarme, der Bauch bleibt auf der Unterlage. Eine Minute halten. Viele empfinden diese Position als entlastend, jedoch nicht alle; strahlt der Schmerz dabei weiter ins Bein aus, lassen Sie die Übung weg.
- Brücke. In Rückenlage mit hüftbreit aufgestellten Füßen heben Sie das Becken an, halten fünf Sekunden und senken es langsam ab. Zehn Wiederholungen.
- Diagonales Arm-Bein-Strecken. Im Vierfüßlerstand strecken Sie den rechten Arm und das linke Bein aus, halten kurz und wechseln die Seite. Fünf Wiederholungen je Seite, der Rücken bleibt dabei stabil in Neutralstellung.
Gehen ist in nahezu jeder Phase empfehlenswert, wobei mehrere kurze Einheiten am Tag günstiger sind als eine lange.
Welche Übungen eignen sich bei einem Bandscheibenvorfall der HWS?
Auch an der Halswirbelsäule gilt, dass der Schmerz während der Übungen nicht weiter in den Arm ausstrahlen darf.
- Kinn zurückziehen (Retraktion). Schieben Sie im aufrechten Sitz das Kinn waagerecht nach hinten. Fünf Sekunden halten, zehn Wiederholungen.
- Schulterblätter zusammenführen. Ziehen Sie die Schulterblätter leicht nach hinten unten, halten Sie fünf Sekunden und lösen Sie die Spannung. Zehn Wiederholungen.
- Isometrische Spannung. Legen Sie eine Hand an die Stirn und drücken Sie den Kopf leicht dagegen, ohne dass eine Bewegung entsteht. Fünf Sekunden halten, anschließend ebenso mit der Hand am Hinterkopf und an beiden Kopfseiten. Je fünf Wiederholungen.
- Schulterkreisen. Kreisen Sie die Schultern langsam nach hinten, zwanzig Wiederholungen.
Weitere Übungen für den Nacken finden Sie im Beitrag Nackenverspannung lösen.
Was sollte man bei einem Bandscheibenvorfall der HWS vermeiden?
Zu vermeiden sind vor allem Bewegungen, die die Halswirbelsäule weit nach hinten neigen (Reklination) oder ruckartig belasten. Dazu gehören:
- ruckartige Manipulationen („Einrenken“) der Halswirbelsäule
- längere Überkopfarbeiten, zum Beispiel das Streichen einer Zimmerdecke
- schweres Heben und Tragen über Schulterhöhe
- Schlafen in Bauchlage mit stark gedrehtem Kopf
- langanhaltendes Herabblicken auf das Smartphone ohne Pausen
Diese Einschränkungen gelten vor allem in den ersten Wochen. Im weiteren Verlauf steigern wir die Belastung gemeinsam mit Ihnen schrittweise.
Wie lange dauert die Arbeitsunfähigkeit bei einem Bandscheibenvorfall?
Die Dauer ist sehr unterschiedlich und hängt wesentlich vom Beruf ab. Bei Bürotätigkeiten sind viele früher wieder arbeitsfähig als in körperlich belastenden Berufen. Über Art und Dauer der Krankschreibung entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Bewegung im Alltag und eine frühzeitige Rückkehr an den Arbeitsplatz wirken sich in der Regel günstig aus, sofern die Tätigkeit dies zulässt.
Notfallzeichen und ärztliche Abklärung
Die folgenden Zeichen sind ein Notfall. Suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf oder wählen Sie den Notruf 112, wenn:
- ein Taubheitsgefühl im Genital- oder Gesäßbereich (Reithosenanästhesie) auftritt
- Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang bestehen
- ein Bein, ein Fuß oder ein Arm plötzlich an Kraft verliert
- bei Beschwerden an der Halswirbelsäule Gangunsicherheit oder Ungeschicklichkeit der Hände auftreten, die auf eine Beteiligung des Rückenmarks hinweisen können
Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie es außerdem, wenn die Schmerzen trotz Behandlung zunehmen oder Fieber hinzukommt.
Behandlung eines Bandscheibenvorfalls bei Rundum Gesund
Die Behandlung erfolgt auf ärztliche Verordnung, als Kassenrezept (Heilmittelverordnung, Muster 13) oder als Privatrezept. In der akuten Phase erarbeiten wir mit Ihnen Haltungen und Bewegungen, die den Schmerz lindern sollen, und stellen Ihnen ein Übungsprogramm für zu Hause zusammen. Dafür setzen wir Krankengymnastik und Manuelle Therapie ein. Sobald die Schmerzen nachlassen, steht der Kraftaufbau in Rumpf, Beinen und Schultergürtel im Vordergrund, und zwar in der Krankengymnastik am Gerät und in der medizinischen Trainingstherapie.
Für Privatversicherte und Selbstzahler auf Privatrezept gelten folgende Preise:
| Leistung | Dauer | Preis |
|---|---|---|
| Krankengymnastik | 20 Minuten | 35 Euro |
| Manuelle Therapie | 20 Minuten | 39 Euro |
| Krankengymnastik am Gerät | 40 Minuten | 48 Euro |
Termine in der Wittenauer Straße 9 vereinbaren Sie unter 030-7672 6377 oder über Kontakt.
Häufige Fragen
Kann ein Bandscheibenvorfall ohne OP ausheilen?
Bei den allermeisten Betroffenen bessern sich die Beschwerden ohne Operation, bei etwa 90 von 100 innerhalb von sechs Wochen. Auch starke ausstrahlende Beschwerden können sich mit der Zeit zurückbilden.
Ist ein Bandscheibenvorfall dasselbe wie Ischias?
Nein. Als Ischias bezeichnet man den ausstrahlenden Schmerz entlang des Ischiasnervs, dessen häufigste Ursache ein Bandscheibenvorfall der LWS ist. Weitere Informationen bietet der Beitrag über Ischias-Schmerzen.
Ist Sport bei einem Bandscheibenvorfall sinnvoll?
Ja, sobald der akute Schmerz abklingt, idealerweise unter Anleitung. Gehen, Radfahren und gezieltes Krafttraining werden in der Regel gut vertragen.
Kann ich bei Rundum Gesund in Berlin-Wittenau auch ohne Rezept an den Geräten trainieren?
Ohne Verordnung ist bei uns Gerätetraining als Präventionsangebot möglich, für 8 Euro je Einheit. Es dient der Gesunderhaltung und ist keine Behandlung des Bandscheibenvorfalls. Krankengymnastik am Gerät (KGG) als Behandlung setzt eine ärztliche Verordnung voraus; auf Privatrezept kostet sie 48 Euro für 40 Minuten. Eine Übersicht finden Sie unter Preise für Privatversicherte und Selbstzahler.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Bandscheibenvorfall, gesundheitsinformation.de, abgerufen am 13.10.2026
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Bandscheibenvorfall: Nicht operative Behandlungsmöglichkeiten, gesundheitsinformation.de, abgerufen am 13.10.2026
- Bundesministerium für Gesundheit: Bandscheibenvorfall, gesund.bund.de, abgerufen am 13.10.2026
- Balmaceno-Criss M. u. a.: Degenerative Cervical Myelopathy: History, Physical Examination, and Diagnosis. J Clin Med 2024;13(23):7139, abgerufen am 13.10.2026
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Heilmittel-Richtlinie, abgerufen am 13.10.2026
- Angaben zur Praxis: Rundum Gesund, Stand Oktober 2026