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Für Bewerberinnen und Bewerber

Klinik oder Praxis: Arbeits­bedingungen für Physio­therapeuten

Klinik oder Praxis im Vergleich: Tarifbindung, Wochenend- und Feiertagsdienste, Patientenspektrum, Behandlungstakt und Wechselmöglichkeiten.

Verfasst von
Verfasst von Blacklyne im Auftrag von Rundum Gesund
Aktualisiert
Aktualisiert am 13. Oktober 2026
Lesezeit
5 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

Die Entscheidung hängt davon ab, welche Arbeitsbedingungen dir wichtiger sind. In der Klinik wirst du in der Regel nach Tarif vergütet und behandelst überwiegend akute Fälle, dafür gehören Wochenend- und Feiertagsdienste häufig dazu. In der Praxis begleitest du Patientinnen und Patienten über mehrere Wochen in einem festen Behandlungstakt, setzt deine Zertifikate ein und verhandelst Vergütung und Bedingungen selbst.

Sollte ich als Physio­therapeut in der Klinik oder in der Praxis arbeiten?

Hinter den Unterschieden stehen zwei Versorgungsformen. Die Klinik ist auf die stationäre Versorgung ausgerichtet, mit Schichtbetrieb und tariflicher oder tarifähnlicher Vergütung; Patientinnen und Patienten werden häufig unmittelbar nach einer Operation und oft nur wenige Tage behandelt.

Die Praxis versorgt ambulant auf Grundlage von Heilmittelverordnungen. Dort setzt du deine Zertifikate gezielt ein und verhandelst Vergütung und Arbeitsbedingungen in der Regel selbst, denn ein Tarifvertrag gilt nur, wenn die Praxis tarifgebunden ist oder ihn im Arbeitsvertrag vereinbart.

Was verdient man in der Klinik, was in der Praxis?

In kommunalen Kliniken gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), bei kirchlichen Trägern gelten die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) von Caritas oder Diakonie. Private Klinikketten wenden häufig eigene Haustarife an. In allen drei Fällen steigt das Gehalt mit den Erfahrungsstufen, ohne dass eine Verhandlung nötig ist. Im öffentlichen Dienst kommen eine Jahressonderzahlung und eine Zusatzversorgung für die Rente hinzu.

In der Praxis wird das Gehalt frei verhandelt, und die Spanne ist entsprechend groß. Zertifikate wie Manuelle Therapie oder Manuelle Lymphdrainage ermöglichen der Praxis die Abrechnung von Positionen, die nach der Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen höher vergütet werden, was du in einen höheren Stundenlohn umsetzen kannst. Für die Eingruppierung in der Klinik spielen sie dagegen meist keine Rolle.

Aktuelle Zahlen zum TVöD und Hinweise zur Verhandlung ohne Tarifbindung findest du im Beitrag Tarifvertrag in der Physiotherapie.

Wie unterscheidet sich der Arbeitsalltag?

KriteriumAkutklinikPraxis
Patientenstationär, häufig nur wenige Tageambulant, meist auf Grundlage einer Verordnung mit mehreren Terminen
Zeit pro Patientnach Stationsplan, wechselndfester Takt; Regelbehandlungszeit bei Krankengymnastik 15 bis 25 Minuten
DienstzeitenFrüh- und Spätdienst, häufig Wochenend- und FeiertagsdiensteÖffnungszeiten der Praxis, oft frühmorgens und abends
TeamÄrzte, Pflege, Ergotherapie und Logopädie im HausTherapeuten und Empfang, ärztliche Versorgung extern
Dokumentationim Kliniksystem, mit Übergabenje Behandlung, für die Abrechnung mit der Kasse
Zertifikategeringer Einfluss auf das Gehalteigene Abrechnungspositionen

In einer Rehabilitationsklinik gelten wiederum andere Bedingungen. Dort arbeitest du häufig mit Gruppen und nach festen Therapieplänen; eine stationäre Rehabilitation zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung soll nach § 40 SGB V für längstens drei Wochen erbracht werden.

Welches Patientenspektrum erwartet dich?

In der Akutklinik behandelst du Menschen in einer akuten Krankheitsphase. Zu den Aufgaben gehören die Frühmobilisation nach Operationen, Atemtherapie sowie die Behandlung auf der Intensivstation oder in der Neurologie, etwa nach einem Schlaganfall. Viele Patientinnen und Patienten siehst du nur zwei- oder dreimal.

In die Praxis kommen Patientinnen und Patienten nach Abschluss der Akutphase. Du behandelst Beschwerden an Rücken, Schulter und Knie, Menschen nach einer Rehabilitation, Menschen mit Lymphödem oder mit neurologischen Erkrankungen, die teilweise über Jahre in Behandlung bleiben. Dadurch verfolgst du Verläufe über Wochen und kennst viele von ihnen mit ihrer Vorgeschichte.

Welcher Arbeitsplatz passt zu wem?

Die Klinik eignet sich, wenn du gern in einem großen, interdisziplinären Team mit Ärztinnen, Ärzten und Pflege arbeitest und Abwechslung schätzt. Wer die Sicherheit eines Tarifs bevorzugt und Wochenenddienste in Kauf nimmt, ist dort gut aufgehoben. Berufseinsteigerinnen und -einsteigern bietet die Klinik zudem die Möglichkeit, in kurzer Zeit viele Krankheitsbilder kennenzulernen.

Die Praxis eignet sich, wenn du Patientinnen und Patienten über längere Zeit begleiten möchtest und Wert auf eine planbare Arbeitswoche legst. Sie bietet außerdem die Möglichkeit, über Zertifikate das eigene Gehalt zu steigern. Wie gut der Alltag funktioniert, hängt stark von der einzelnen Praxis ab, insbesondere vom Behandlungstakt, von der Organisation des Empfangs und von der Teamgröße.

Ist ein späterer Wechsel möglich?

Ein Wechsel ist in beide Richtungen möglich. Klinikerfahrung wird in Praxen geschätzt, weil du komplexe Verläufe kennst und in der postoperativen Behandlung sicher bist. Vor einem Wechsel in die Praxis lohnt es sich, die eigenen Zertifikate zu planen, denn Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage und gerätegestützte Krankengymnastik (KGG) werden in vielen Stellenanzeigen vorausgesetzt. Welche Weiterbildung sich zuerst lohnt, erläutert der Beitrag Welche Fortbildung sich lohnt.

Was bei Kündigung und Stellenwechsel zu beachten ist, liest du im Beitrag Stelle wechseln als Physiotherapeut.

Arbeiten bei Rundum Gesund

Rundum Gesund ist eine ambulante Praxis mit zwei Standorten in Berlin-Wittenau. In der Wittenauer Straße 9 finden die Behandlungen statt; dort ist auch der Hausbesuchsdienst angesiedelt, der seit 2026 ein eigener Bereich mit eigener Leitung ist. Am Eichhorster Weg 80 finden RehaSport und Kurse in zwei eigenen Räumen statt.

Von 30 Mitarbeitenden arbeiten 25 in der Physio- oder Sporttherapie. Vier Empfangskräfte übernehmen Terminvergabe, Telefon und Verordnungsmanagement. Elf Kolleginnen und Kollegen haben ein Zertifikat in Manueller Lymphdrainage, sieben in Manueller Therapie, hinzu kommen Bobath und Vojta. Die Examensjahrgänge im Team reichen über vier Jahrzehnte, und 2026 haben vier Kolleginnen und Kollegen ihr zehnjähriges Betriebsjubiläum bei uns gefeiert.

Bei uns arbeitest du bei Krankengymnastik und Manueller Therapie im 25-Minuten-Takt. Die Vergütung beträgt 22–28 Euro brutto pro Stunde, je nach Qualifikation und Erfahrung. Hinzu kommen 30 Urlaubstage bei einer Fünftagewoche (bei weniger Wochenarbeitstagen entsprechend umgerechnet) und eine betriebliche Altersvorsorge. Fortbildungen wählen wir gemeinsam aus. Zuschuss und Freistellung vereinbaren wir vorab. Vor Vertragsabschluss lernst du uns an einem Probetag kennen.

Die offenen Stellen findest du unter Stellenangebote. Für eine Initiativbewerbung über die Seite Bewerbung genügen dein Name und eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse.

Häufige Fragen

Zahlt eine Praxis weniger als eine Klinik?

Nicht grundsätzlich. Die Klinik vergütet nach Tarif, in der Praxis wird verhandelt. Mit Zertifikaten und Berufserfahrung kann das Gehalt in einer Praxis über dem Tarif liegen; die genaue Höhe hängt vom Verhandlungsergebnis ab.

Ist Klinikerfahrung für eine Praxis von Vorteil?

Ja. Du kennst akute Verläufe, bist in der postoperativen Behandlung sicher und hast viele Krankheitsbilder gesehen. Das ist in der Praxis vor allem bei Patientinnen und Patienten von Vorteil, die gerade aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitation kommen.

Kann ich aus der Klinik zu Rundum Gesund in Reinickendorf wechseln?

Ja. Für die Bewerbung genügen Name und Telefonnummer oder E-Mail-Adresse; ein Lebenslauf ist für den ersten Kontakt nicht erforderlich. Vor Vertragsabschluss lernst du uns an einem Probetag kennen.

Gehören in der Praxis auch Hausbesuche zu den Aufgaben?

Hausbesuche finden statt, wenn die Ärztin oder der Arzt sie verordnet hat, weil die Patientin oder der Patient die Praxis aus medizinischen Gründen nicht aufsuchen kann. Wer sie übernimmt, regelt jede Praxis selbst. Bei uns sind die Hausbesuche seit 2026 ein eigener Bereich mit eigener Leitung, für den es eine gesonderte Stelle gibt, die Physiotherapie im Hausbesuch.

Quellen