Zum Inhalt springen Wir suchen Verstärkung Offene Stellen

Ratgeber

Lymph­ödem: Definition, Ursachen und Ablauf der Behandlung

Was ist ein Lymphödem? Ursachen, Stadieneinteilung und Ablauf der Behandlung an Beinen und Armen: Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege im Überblick.

Verfasst von
Verfasst von Blacklyne im Auftrag von Rundum Gesund
Aktualisiert
Aktualisiert am 13. Oktober 2026
Lesezeit
5 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

Ein Lymphödem ist eine Schwellung durch eiweißreiche Flüssigkeit, die sich im Gewebe staut, weil das Lymphsystem sie nicht ausreichend abtransportiert. Es kann angeboren sein oder im Lauf des Lebens entstehen, etwa nach einer Operation mit Entfernung von Lymphknoten oder nach einer Strahlentherapie. Standard der konservativen Behandlung ist nach der S2k-Leitlinie die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) aus Hautpflege, Manueller Lymphdrainage, Kompression, entstauender Bewegungstherapie und Schulung zur Selbsttherapie.

Was ist ein Lymph­ödem?

Ein Lymphödem entsteht, wenn eiweißreiche Flüssigkeit, die aus den Blutkapillaren ins Gewebe übertritt, nicht mehr ausreichend abtransportiert wird. Unter normalen Bedingungen nimmt das Lymphsystem diese Flüssigkeit auf und führt sie über Lymphgefäße und Lymphknoten in den Blutkreislauf zurück. Reicht die Transportkapazität dafür nicht mehr aus, verbleibt sie im Gewebe; das Eiweiß bindet zusätzlich Wasser, und auf Dauer verändert sich das Bindegewebe. Betroffen ist meist ein Arm oder ein Bein, seltener beide Seiten.

Ohne Behandlung bildet sich ein Lymphödem in der Regel nicht zurück. Nach der Leitlinie kann eine angemessene Therapie einem Fortschreiten vorbeugen; Ziel der Behandlung ist, das Ödem so weit wie möglich zu entstauen oder in ein niedrigeres Stadium zurückzuführen.

Welche Ursachen hat ein Lymph­ödem?

Man unterscheidet zwei Formen:

  • Primäres Lymphödem. Das Lymphsystem ist von Geburt an unvollständig angelegt. Die Schwellung tritt häufig erst im Lauf des Lebens auf, bevorzugt an den Beinen.
  • Sekundäres Lymphödem. Das Lymphsystem wurde im Lauf des Lebens geschädigt. Die Leitlinie nennt als Ursachen unter anderem Operationen, bei denen Lymphknoten entfernt wurden, eine Strahlentherapie, Verletzungen, Infektionen, Adipositas und fortgeschrittene Stadien einer chronischen Venenschwäche.

Ein sekundäres Lymphödem kann unmittelbar nach der Behandlung oder erst Jahre später entstehen.

Welche Stadien gibt es?

Stadiumklinisches Bild
0noch keine sichtbare Schwellung, die Transportkapazität des Lymphsystems ist jedoch bereits eingeschränkt
Iweiche Schwellung, auf Druck bleibt eine Delle, Hochlagern bewirkt einen Rückgang
IIdie Schwellung bildet sich beim Hochlagern nicht mehr zurück, das Gewebe verhärtet zunehmend
IIIausgeprägte Schwellung mit deutlichen Hautveränderungen

Ein wichtiges diagnostisches Zeichen ist das Stemmer-Zeichen. Lässt sich die Haut über den Zehen oder Fingern nicht mehr zu einer Falte abheben, spricht dies für ein Lymphödem.

Wie wird ein Lymph­ödem behandelt?

Standard der konservativen Behandlung ist nach der Leitlinie die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE, die in zwei Phasen verläuft.

In der Entstauungsphase (Phase I) soll die Schwellung so weit wie möglich reduziert werden. Die Leitlinie sieht dafür vor, alle Komponenten möglichst täglich ein- bis zweimal anzuwenden, in spezialisierten Einrichtungen stationär oder ambulant. In der Erhaltungsphase (Phase II) gilt es, das erreichte Ergebnis zu sichern. Sie tragen dann maßgefertigte flachgestrickte Kompressionsstrümpfe, und die Lymphdrainage wird je nach Befund fortgeführt. In der Praxis richtet sich die Häufigkeit nach der Verordnung; der Heilmittelkatalog empfiehlt ein- bis dreimal wöchentlich.

Die KPE umfasst fünf Bausteine:

  1. Manuelle Lymphdrainage. Mit sanften, kreisenden Grifftechniken wird die Flüssigkeit in Richtung funktionsfähiger Lymphknoten verschoben.
  2. Kompression. Bandage oder Strumpf wirken einer erneuten Flüssigkeitsansammlung entgegen. Die Heilmittel-Richtlinie bezeichnet die Kompression als von entscheidender Bedeutung, damit die Flüssigkeit nicht in das entstaute Gewebe zurückfließt.
  3. Bewegung. Unter der Kompression wirkt die Muskulatur als Pumpe und unterstützt den Abtransport der Lymphflüssigkeit.
  4. Hautpflege. Gestaute Haut ist anfälliger für Entzündungen. Pflegen Sie sie täglich mit einer milden, rückfettenden Creme und vermeiden Sie Verletzungen, auch kleine.
  5. Anleitung zur Selbstbehandlung. Sie lernen, Kompression, Übungen und Hautpflege im Alltag eigenständig fortzuführen, da das Ergebnis der Therapie wesentlich davon abhängt.

Lymph­ödem an den Beinen: Maßnahmen zur Selbstbehandlung

Führen Sie die folgenden Übungen möglichst mit angelegtem Kompressionsstrumpf zwei- bis dreimal täglich durch.

  • Fußpumpe. Ziehen Sie im Liegen oder Sitzen die Fußspitzen kräftig heran und strecken Sie sie wieder weg. Zwanzig Wiederholungen.
  • Fußkreisen. Kreisen Sie beide Füße langsam, zehnmal in jede Richtung.
  • Radfahren in Rückenlage. Führen Sie in Rückenlage mit beiden Beinen Tretbewegungen in der Luft aus, eine Minute lang, dann eine Pause, insgesamt drei Durchgänge.
  • Zehenstand. Halten Sie sich an einer Stuhllehne fest, gehen Sie langsam in den Zehenstand und wieder zurück. Fünfzehn Wiederholungen.

Lagern Sie die Beine zwischendurch hoch, meiden Sie längere Wärmeeinwirkung wie Sauna oder heiße Bäder und tragen Sie keine einschnürenden Strümpfe oder Schuhe.

Sind Entwässerungs­tabletten bei einem Lymph­ödem sinnvoll?

Nach der Leitlinie stehen für die ursächliche medikamentöse Behandlung des Lymphödems derzeit keine Arzneimittel zur Verfügung; Medikamente werden nur zur Behandlung von Komplikationen eingesetzt. Entwässerungstabletten (Diuretika) entziehen dem Körper Wasser, das Eiweiß im Gewebe beseitigen sie nicht. Aus anderen Gründen, etwa bei einer Herzinsuffizienz, können sie dennoch ärztlich verordnet sein. Nehmen Sie solche Medikamente nicht eigenständig ein und setzen Sie verordnete Präparate nicht ohne Rücksprache ab.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn die geschwollene Körperregion plötzlich gerötet, überwärmt und schmerzhaft ist und Fieber oder Schüttelfrost hinzukommen. Dies kann auf ein Erysipel (Wundrose) hinweisen, eine bakterielle Infektion der Haut, die rasch behandelt werden muss.

Lassen Sie sich außerdem ärztlich untersuchen, wenn

  • nach einer Operation oder Bestrahlung im Bereich von Lymphknoten eine neue Schwellung auftritt,
  • die Schwellung trotz Behandlung deutlich zunimmt.

Schwillt ein Bein plötzlich einseitig an und schmerzt, besteht der Verdacht auf eine Thrombose; lassen Sie dies noch am selben Tag ärztlich abklären. Kommen Atemnot oder Brustschmerzen hinzu, wählen Sie sofort den Notruf 112.

Lymph­ödem-Behandlung bei Rundum Gesund

Bei uns sind elf Therapeutinnen und Therapeuten in Manueller Lymphdrainage ausgebildet, zwei von ihnen sind Lymphtherapeuten. Wir behandeln auf ärztliche Verordnung, mit Kassen- oder Privatrezept. Die Behandlungsdauer legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auf der Verordnung fest; nach der Heilmittel-Richtlinie beträgt sie 30, 45 oder 60 Minuten. Mit Kassenrezept leisten Sie die gesetzliche Zuzahlung. Die Preise auf Privatrezept und die Regelungen zur Zuzahlung finden Sie unter Lymphdrainage: Kosten, den Ablauf eines Termins beschreibt der Beitrag Lymphdrainage: Ablauf und Wirkung.

Können Sie die Praxis nicht aufsuchen und ist der Hausbesuch auf der Verordnung vermerkt, behandeln wir Sie auch zu Hause. Weitere Informationen unter Hausbesuche.

Häufige Fragen

Ist ein Lymph­ödem heilbar?

Ein Lymphödem bleibt in den meisten Fällen dauerhaft bestehen. Ziel der KPE mit konsequenter Kompression ist, die Schwellung zu verringern und einem Fortschreiten vorzubeugen; bei höheren Stadien ist sie nach der Leitlinie häufig über Jahre erforderlich.

Wie häufig ist Lymph­drainage bei einem Lymph­ödem erforderlich?

Die Leitlinie sieht in der Entstauungsphase möglichst tägliche Behandlungen vor, in der Erhaltungsphase eine Anpassung an den Befund. Ambulant gilt die Frequenz auf Ihrer Verordnung; der Heilmittelkatalog empfiehlt ein- bis dreimal wöchentlich und bis zu sechs Behandlungen je Verordnung.

Worin unterscheiden sich Lymph­ödem und Lip­ödem?

Beim Lymphödem staut sich Lymphflüssigkeit im Gewebe, beim Lipödem ist das Fettgewebe an den Extremitäten beidseits krankhaft vermehrt. Weitere Informationen unter Lipödem und Lymphdrainage.

Wo gibt es in Reinickendorf eine Lymph­ödem-Behandlung?

Bei Rundum Gesund in der Wittenauer Straße 9 in Berlin-Wittenau, auf Kassen- oder Privatrezept. Termine vereinbaren Sie unter 030-7672 6377 oder über die Seite Kontakt.

Quellen