Ist Lymphdrainage bei einem Lipödem sinnvoll?
Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) wirkt auf die Flüssigkeit im Gewebe, nicht auf das vermehrte Fettgewebe selbst. Die S2k-Leitlinie Lipödem von 2024 ordnet sie deshalb als ergänzende Maßnahme ein. Ist eine Kompression im Einzelfall nicht anwendbar oder lindert sie die Schmerzen allein nicht ausreichend, kann die Lymphdrainage zusammen mit weiteren Therapietechniken eingesetzt werden. Ziel ist dabei die Linderung der Schmerzen; eine Verringerung des Volumens strebt sie nicht an. Grundlage der Behandlung bleiben Kompression und Bewegung.
Was ist ein Lipödem?
Die Leitlinie beschreibt das Lipödem als schmerzhafte, disproportionale und symmetrische Fettgewebsverteilungsstörung der Extremitäten, die fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Betroffen sind beidseits Hüften, Oberschenkel und Unterschenkel, an den Armen Schulterregion, Ober- oder Unterarme; Rumpf, Füße und Hände bleiben ausgespart. Erstmals auftreten oder zunehmen können die Beschwerden häufig in Phasen hormoneller Umstellung, etwa in der Pubertät, in einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
Typische Merkmale eines Lipödems an den Beinen sind:
- ein deutliches Missverhältnis zwischen Beinen und schlankerem Oberkörper
- schlanke Füße, wodurch am Knöchel eine stufenartige Begrenzung entsteht
- Berührungs- und Druckschmerz im Unterhautfettgewebe; ein Lipödem ist laut Leitlinie immer schmerzhaft
- ein Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen
- häufig berichtete blaue Flecken (Hämatome), die nach der Leitlinie jedoch kein entscheidendes diagnostisches Kriterium sind
Übergewicht und Adipositas sind die häufigsten Begleiterkrankungen und können ein Lipödem verschlimmern. Die Leitlinie empfiehlt daher, frühzeitig über gesunde Ernährung und einen aktiven Lebensstil aufzuklären; bei gleichzeitigem Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion auch das Beinvolumen verringern.
Lipödem oder Cellulite?
Cellulite ist eine sehr verbreitete Veränderung der Hautoberfläche, die keine Schmerzen verursacht und keinen Krankheitswert hat. Ein Lipödem geht dagegen mit Schmerzen und Druckempfindlichkeit einher und verändert die Form der Beine insgesamt.
| Vergleich | Cellulite | Lipödem |
|---|---|---|
| Druckschmerz | nein | ja |
| blaue Flecken | nicht gehäuft | häufig berichtet, kein sicheres Unterscheidungsmerkmal |
| Füße betroffen | nein | nein, Füße bleiben schlank |
| Form der Beine | unverändert | Missverhältnis zum Oberkörper |
| Krankheitswert | nein | ja, ärztliche Diagnose |
Beide Befunde können gleichzeitig vorliegen. Die Tabelle dient als Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Welcher Arzt stellt die Diagnose?
Erste Anlaufstelle ist in der Regel die Hausarztpraxis. Die weitere Abklärung übernehmen Fachärztinnen und Fachärzte etwa für Angiologie, Phlebologie, Dermatologie oder Physikalische und Rehabilitative Medizin. Nach der Leitlinie wird die Diagnose klinisch gestellt, also anhand der Beschwerden und der körperlichen Untersuchung, da es kein apparatives oder laborchemisches Verfahren gibt, das ein Lipödem nachweist. Eine Ultraschalluntersuchung kann dem Ausschluss eines Ödems anderer Ursache dienen.
Wie werden Lipödem-Schmerzen behandelt?
Die Behandlung stützt sich nach der Leitlinie auf mehrere Säulen:
- Kompression. Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe nach Maß werden ärztlich verordnet und im Sanitätshaus angepasst. Ziel ist die Verringerung von Schmerzen und anderen Beschwerden; Fettgewebe baut die Kompression nicht ab.
- Bewegung. Bewegung in Kompression oder ein Trainingsprogramm ist nach der Leitlinie ein wichtiges Element der Schmerzreduktion. Gut geeignet sind Radfahren, Walking, Schwimmen und Aquagymnastik.
- Manuelle Lymphdrainage. Sie kann ergänzend eingesetzt werden, wenn die Kompression nicht anwendbar ist oder allein nicht ausreicht. Sie wird ärztlich verordnet, wenn eine Indikation besteht.
- Gewicht und Ernährung. Bei gleichzeitigem Übergewicht soll dessen Behandlung Teil des Gesamtkonzepts sein.
- Operation. Die Fettabsaugung (Liposuktion) ist seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 17.07.2025 unabhängig vom Stadium eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, ambulant abrechenbar seit dem 01.07.2026. Voraussetzung ist unter anderem, dass eine ärztlich verordnete konservative Therapie wie Kompression und Bewegung über sechs Monate die Beschwerden nicht ausreichend gelindert hat.
Für den Alltag eignet sich die Fußpumpe mit Kompressionsstrumpf. Legen Sie sich auf den Rücken und lagern Sie die Beine leicht erhöht. Ziehen Sie die Fußspitzen kräftig heran und strecken Sie sie wieder weg, zwanzig Wiederholungen, dann eine Minute Pause, insgesamt drei Durchgänge. Der angelegte Kompressionsstrumpf unterstützt dabei die Arbeit der Muskelpumpe.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Die folgenden Zeichen sind für ein Lipödem untypisch. Lassen Sie sie noch am selben Tag ärztlich abklären, wenn
- ein Bein plötzlich einseitig anschwillt, warm wird und schmerzt (Verdacht auf eine Thrombose),
- die Haut gerötet und überwärmt ist und Sie Fieber bekommen (Verdacht auf ein Erysipel, eine bakterielle Hautinfektion).
Kommen zu einer einseitigen Beinschwellung Atemnot oder Brustschmerz hinzu, ist das ein Notfall; wählen Sie sofort den Notruf 112. Zeitnah ärztlichen Rat sollten Sie außerdem einholen, wenn Wunden an den Beinen schlecht heilen oder eine Schwellung neu auftritt, deren Ursache unklar ist.
Lymphdrainage bei Lipödem bei Rundum Gesund
Elf Therapeutinnen und Therapeuten bei uns sind in Manueller Lymphdrainage ausgebildet, zwei davon als Lymphtherapeuten. Da das Gewebe beim Lipödem schmerzempfindlich ist, arbeiten wir mit geringem Druck. Unmittelbar nach der Behandlung sollte die Kompression wieder angelegt werden; bitte bringen Sie Ihre Strümpfe deshalb zum Termin mit.
Die Lymphdrainage ist ein Heilmittel und setzt eine ärztliche Verordnung voraus. Mit Kassenrezept rechnen wir mit Ihrer Krankenkasse ab, und Sie leisten die gesetzliche Zuzahlung. Für Privatversicherte und auf Privatrezept gelten folgende Preise:
| Dauer | Preis |
|---|---|
| 30 Minuten | 32 Euro |
| 45 Minuten | 48 Euro |
| 60 Minuten | 65 Euro |
Weitere Informationen zu Zuzahlung und Abrechnung finden Sie unter Lymphdrainage: Kosten, zum Behandlungsablauf unter Lymphdrainage: Ablauf und Wirkung.
Häufige Fragen
Kann sich ein Lipödem zurückbilden?
Ein Lipödem bildet sich in der Regel nicht von selbst zurück. Nach der Leitlinie schreitet es bei weitgehend stabilem Körpergewicht jedoch nicht grundsätzlich fort, sondern kann über viele Jahre stabil bleiben. Ziel von Kompression und Bewegung ist, die Beschwerden zu verringern.
Ist ein Lipödem dasselbe wie ein Lymphödem?
Nein. Beim Lipödem ist das Fettgewebe krankhaft vermehrt, beim Lymphödem staut sich Lymphflüssigkeit im Gewebe. Das Lipödem verursacht laut Leitlinie selbst kein Lymphödem; besteht zusätzlich eine Adipositas, kann jedoch ein Adipositas-assoziiertes Lymphödem entstehen. Weitere Informationen unter Lymphödem: Behandlung.
Wie häufig ist Lymphdrainage bei einem Lipödem erforderlich?
Die Behandlungsfrequenz legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auf der Verordnung fest. Der Heilmittelkatalog sieht für Lymphabflussstörungen einschließlich des Lipödems bis zu sechs Behandlungen je Verordnung vor und empfiehlt eine Frequenz von ein- bis dreimal wöchentlich.
Wo gibt es Lymphdrainage bei Lipödem in Berlin-Wittenau?
Bei Rundum Gesund in der Wittenauer Straße 9, 13435 Berlin, auf Kassen- oder Privatrezept. Termine vereinbaren Sie unter 030-7672 6377 oder über die Seite Kontakt.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie: S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Register 037-012, Version 5.0 vom 22.01.2024, abgerufen am 13.10.2026
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Heilmittel-Richtlinie mit Heilmittelkatalog, Diagnosegruppe LY, abgerufen am 13.10.2026
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Liposuktion bei Lipödem wird unabhängig vom Stadium Kassenleistung, Pressemitteilung vom 17.07.2025, abgerufen am 13.10.2026
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Liposuktion bei Lipödem auch im Stadium I und II ab Juli EBM-Leistung, Praxisnachricht vom 11.06.2026, abgerufen am 13.10.2026
- Angaben zur Praxis: Rundum Gesund, Stand Oktober 2026