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Für Bewerberinnen und Bewerber

Sektoraler Heil­praktiker (Physio­therapie): Voraussetzungen

Der sektorale Heilpraktiker für Physiotherapeuten: Voraussetzungen, Ablauf der Überprüfung beim Gesundheitsamt und die daraus folgenden Befugnisse.

Verfasst von
Verfasst von Blacklyne im Auftrag von Rundum Gesund
Aktualisiert
Aktualisiert am 13. Oktober 2026
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5 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

Der sektorale Heilpraktiker ist eine auf das Gebiet der Physiotherapie beschränkte Heilpraktikererlaubnis. Sie berechtigt dazu, Patientinnen und Patienten ohne ärztliche Verordnung physiotherapeutisch zu untersuchen und zu behandeln. Voraussetzung ist die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Physiotherapeut; zusätzlich überprüft das zuständige Gesundheitsamt die erforderlichen Kenntnisse. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt diese Behandlungen nicht, die Abrechnung erfolgt privat.

Was ist ein sektoraler Heil­praktiker für Physio­therapie?

Anders als bei der Behandlung auf Verordnung stellst du mit der auf die Physiotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis die Indikation selbst. Du entscheidest, ob und welche physiotherapeutische Behandlung angezeigt ist, und trägst dafür die volle Verantwortung, einschließlich der Pflicht, Befunde außerhalb deines Fachgebiets ärztlich abklären zu lassen.

Rechtliche Grundlage ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. August 2009 (Az. 3 C 19.08). Das Gericht entschied, dass Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten eine auf ihr Fachgebiet beschränkte Heilpraktikererlaubnis erhalten können, ohne die vollständige Heilpraktikerprüfung abzulegen; erforderlich ist eine eingeschränkte Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten. Gesetzliche Basis ist weiterhin das Heilpraktikergesetz.

Welche Befugnisse umfasst die Erlaubnis?

Du kannst Patientinnen und Patienten im Direktkontakt annehmen, ohne dass zuvor eine ärztliche Verordnung ausgestellt wurde. Du erhebst den physiotherapeutischen Befund, legst die Behandlung fest und setzt die Verfahren ein, die zur physiotherapeutischen Ausbildung gehören.

Tätigkeiten außerhalb der Physiotherapie bleiben ausgeschlossen, etwa Injektionen oder Verfahren, die dem allgemeinen Heilpraktikerberuf vorbehalten sind. Ergibt der Befund Hinweise, die eine ärztliche Abklärung erfordern, überweist du die Patientin oder den Patienten an eine Ärztin oder einen Arzt. Diese Abgrenzung sicher vorzunehmen, ist der Kern der Überprüfung.

FrageMit VerordnungAls sektoraler Heilpraktiker
Wer entscheidet über die Behandlung?im Rahmen der ärztlichen Verordnungdu selbst
Wer zahlt?gesetzliche Kasse, BG, privatprivat, Selbstzahler
Wer stellt die Indikation?die Ärztin oder der Arztdu
Brauchst du eine zusätzliche Erlaubnis?neinja, vom Gesundheitsamt

Welche Voraussetzungen gelten?

Erforderlich ist die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Physiotherapeut, also ein bestandenes Staatsexamen. Die Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz verlangt außerdem ein Mindestalter von 25 Jahren, eine abgeschlossene Volksschulbildung (heute mindestens Hauptschulabschluss), die sittliche Zuverlässigkeit und die gesundheitliche Eignung. Nachgewiesen werden die beiden letzten Punkte in der Regel durch ein aktuelles Führungszeugnis und ein ärztliches Attest.

Welche Unterlagen im Einzelnen einzureichen sind, legt die zuständige Behörde fest. In Berlin erteilt das Gesundheitsamt deines Bezirks Auskunft über das Antragsverfahren.

Wie läuft die Überprüfung beim Gesundheitsamt ab?

Das Gesundheitsamt prüft, ob von deiner Tätigkeit als Heilpraktiker eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung ausgehen könnte. Das physiotherapeutische Fachwissen ist mit dem Examen bereits nachgewiesen, weshalb die Grenzen der eigenen Kompetenz im Mittelpunkt stehen. Du musst zeigen, dass du Befunde erkennst, die eine ärztliche Abklärung erfordern, und dass du die rechtlichen Vorgaben für Heilpraktiker kennst.

Das Verfahren unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. Einige Ämter entscheiden nach Aktenlage, andere führen eine mündliche Überprüfung durch. Seit dem 22. März 2018 gelten Leitlinien des Bundesgesundheitsministeriums, die als Grundlage für die Überprüfung von Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärtern dienen. Informiere dich vorab beim zuständigen Amt über den konkreten Ablauf.

Ist eine Ausbildung zum sektoralen Heil­praktiker erforderlich?

Eine vorgeschriebene Ausbildung gibt es nicht; maßgeblich ist allein die Überprüfung beim Gesundheitsamt. Viele Fortbildungsinstitute bieten dennoch Vorbereitungskurse an, meist zu Berufsrecht, Differenzialdiagnostik (der Abgrenzung von Krankheitsbildern mit ähnlichen Symptomen) und Warnzeichen, sogenannten Red Flags. Für die mündliche Überprüfung sind solche Kurse vielen eine Hilfe. Da sie freiwillig sind und sich im Preis stark unterscheiden, lohnt ein Vergleich von Umfang und Inhalt vor der Anmeldung.

Für wen lohnt sich der sektorale Heil­praktiker?

Das hängt vom angestrebten Arbeitsumfeld ab. In einer Praxis, die überwiegend auf ärztliche Verordnung behandelt, ändert die Erlaubnis im Arbeitsalltag wenig. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Behandlungen nur auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung, und daran ändert die Heilpraktikererlaubnis nichts.

Größeren Nutzen hat sie, wenn du Selbstzahler oder Privatversicherte ohne vorherigen Arztbesuch behandeln möchtest, sei es in einer eigenen Praxis oder mit entsprechendem Schwerpunkt in einer Praxis mit hohem Anteil an Privatleistungen. Ob die private Krankenversicherung die Behandlung erstattet, richtet sich nach dem Tarif der Patientin oder des Patienten.

Seit Langem wird in der Physiotherapie über den Direktzugang diskutiert, also die Möglichkeit, ohne Verordnung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse physiotherapeutisch behandelt zu werden. In Deutschland ist er bislang nicht eingeführt. Davon zu unterscheiden ist die Blankoverordnung, bei der die Ärztin oder der Arzt weiterhin die Verordnung ausstellt, während du Art und Menge der Behandlung festlegst. Mit der Heilpraktikererlaubnis steht sie in keinem Zusammenhang.

Weitere fachliche Entwicklungsmöglichkeiten findest du unter Welche Fortbildung lohnt sich.

Fort­bildung bei Rundum Gesund

In Berlin-Wittenau behandeln wir ausschließlich auf ärztliche Verordnung, und zwar Versicherte aller gesetzlichen Krankenkassen, Patientinnen und Patienten der Berufsgenossenschaften (BG), Privatversicherte und Selbstzahler auf Privatrezept. Behandlungen auf Grundlage einer Heilpraktikererlaubnis bietet die Praxis nicht an. Für Privatversicherte und Selbstzahler auf Privatrezept gibt es eine eigene Preisliste, von Krankengymnastik bis Manueller Therapie.

Fortbildungen wählen wir gemeinsam aus. Zuschuss und Freistellung vereinbaren wir vorab. Mit 25 Therapeutinnen und Therapeuten ist das Team groß genug, um deine Patientinnen und Patienten während einer Fortbildung zu übernehmen. Ob die Vorbereitung auf den sektoralen Heilpraktiker für deine berufliche Entwicklung der passende nächste Schritt ist, besprechen wir gern im persönlichen Gespräch. Die Vergütung beträgt 22–28 Euro brutto pro Stunde, je nach Qualifikation und Erfahrung.

Die offene Stelle findest du unter Physiotherapeut:in. Eine Initiativbewerbung ist über die Bewerbung möglich; dafür genügen Name und Telefonnummer oder E-Mail-Adresse.

Häufige Fragen

Darf ich als sektoraler Heil­praktiker ohne Rezept behandeln?

Ja, im Rahmen der Physiotherapie. Die Kosten tragen dann die Patientin oder der Patient selbst oder eine private Versicherung; die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie nicht.

Welches Mindestalter gilt für den sektoralen Heil­praktiker?

Mindestens 25 Jahre. Das schreibt die Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz vor.

Unterstützt Rundum Gesund in Berlin-Wittenau Fort­bildungen?

Ja. Fortbildungen wählen wir gemeinsam aus. Zuschuss und Freistellung vereinbaren wir vorab. Während du die Fortbildung besuchst, übernimmt das Team deine Patientinnen und Patienten.

Muss ich eine schriftliche Prüfung ablegen?

Darüber entscheidet das zuständige Gesundheitsamt. Viele Ämter prüfen mündlich oder nach Aktenlage; eine vollständige schriftliche Heilpraktikerprüfung ist für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Regel nicht erforderlich.

Quellen