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Für Bewerberinnen und Bewerber

Physio­therapeut selbstständig oder angestellt: Gehalt und Kosten

Einkommen selbstständiger Physiotherapeuten, Kosten und Pflichten einer eigenen Praxis und wann eine Anstellung wirtschaftlich vorteilhafter ist.

Verfasst von
Verfasst von Blacklyne im Auftrag von Rundum Gesund
Aktualisiert
Aktualisiert am 13. Oktober 2026
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5 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

Das Gehalt als selbstständiger Physiotherapeut ist der Gewinn, der nach Miete, Personal, Versicherungen und Rücklagen verbleibt; ob sich die Selbstständigkeit finanziell lohnt, hängt daher weniger vom Umsatz ab als von diesem Betrag. Selbstständige tragen Urlaub, Krankheitsausfälle und Altersvorsorge selbst und benötigen für die Behandlung gesetzlich Versicherter eine Zulassung nach § 124 SGB V. Wer unternehmerisch arbeiten möchte und das wirtschaftliche Risiko tragen kann, gewinnt Gestaltungsspielraum. Wer sich vorrangig auf die Behandlung konzentrieren will, ist in einer gut organisierten Anstellung häufig besser aufgehoben.

Physio­therapeut: Gehalt als Selbstständiger – lohnt sich die eigene Praxis?

Die Selbstständigkeit kann sich lohnen, der Umsatz einer Praxis entspricht jedoch keineswegs deinem Einkommen. Von jedem Euro, den Krankenkassen, Patientinnen und Patienten zahlen, gehen Miete, Personal, Geräte, Versicherungen, Software und Steuern ab. Aus dem verbleibenden Betrag musst du zudem deine Kranken- und Rentenversicherung, deinen Urlaub und eigene Krankheitszeiten finanzieren.

Entscheidend ist daher, ob dir nach allen Abzügen und unter Berücksichtigung aller Ausfallzeiten mehr bleibt als in einer Anstellung. Hinzu kommt die Bereitschaft, das unternehmerische Risiko zu tragen.

Welches Einkommen erzielt ein selbstständiger Physio­therapeut?

Eine verlässliche Durchschnittszahl gibt es dafür nicht. Das Einkommen hängt davon ab, wie viele Behandlungen du abrechnest, für welche Positionen du abrechnungsberechtigt bist, wie hoch die Miete ist und ob du Mitarbeitende beschäftigst. Eine gut ausgelastete Praxis mit mehreren Therapeutinnen und Therapeuten kann der Inhaberin deutlich mehr einbringen als eine Anstellung, während eine Einzelpraxis mit hoher Miete und Lücken im Terminplan häufig weniger abwirft.

Als Vergleichsmaßstab dient die Anstellung. Das Medianentgelt angestellter Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in Vollzeit liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bundesweit bei 3.452 Euro brutto im Monat, umgerechnet bei 38,5 Wochenstunden rund 20,70 Euro pro Stunde; in Berlin sind es 3.848 Euro. Wie sich Stundenlohn und Monatsgehalt ineinander umrechnen lassen, erläutert der Beitrag Stundenlohn als Physiotherapeut.

Kosten einer eigenen Praxis

Die Kostenpositionen sind in jeder Praxis ähnlich, die Beträge unterscheiden sich jedoch erheblich. Die folgende Übersicht solltest du vor der Gründung mit konkreten Angeboten aus deiner Region hinterlegen.

Posteneinmalig oder laufend
Praxisräume mit Umbau nach den Zulassungsvorgabeneinmalig und laufend (Miete)
Behandlungsliegen, Geräte, Trainingsflächeeinmalig
Praxissoftware und Abrechnung mit den Kassenlaufend
Berufshaftpflicht und Betriebsversicherungenlaufend
eigene Kranken- und Pflegeversicherunglaufend
Rentenversicherunglaufend
Steuerberatunglaufend
Rücklagen für Urlaub, Krankheit und Reparaturenlaufend

Häufig übersehen wird, dass selbstständige Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nach § 2 Satz 1 Nr. 2 SGB VI in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, solange sie im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit regelmäßig keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und überwiegend auf ärztliche Verordnung arbeiten. Das gilt auch für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auskunft erteilt die Deutsche Rentenversicherung.

Zulassung und Steuern

Wer gesetzlich Versicherte auf ärztliche Verordnung behandeln will, benötigt eine Zulassung nach § 124 SGB V. Voraussetzungen sind die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung, eine Praxisausstattung, die eine zweckmäßige und wirtschaftliche Leistungserbringung gewährleistet, sowie die Anerkennung der Verträge nach § 125 Abs. 1 SGB V. Die Anforderungen an Raumgröße und Ausstattung solltest du kennen, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst.

Steuerlich gilt die Physiotherapie in der Regel als freiberufliche Tätigkeit; § 18 EStG nennt die Krankengymnasten ausdrücklich unter den freien Berufen, Gewerbesteuer fällt damit nicht an. Heilbehandlungen sind nach § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatzsteuer befreit. Leistungen ohne medizinische Zielsetzung, etwa Wellnessmassagen, können dagegen umsatzsteuerpflichtig sein. Diese Fragen klärst du am besten mit einer Steuerberatung, die auf Heilberufe spezialisiert ist.

Freie Mitarbeit als Zwischenlösung?

Manche Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten als freie Mitarbeitende in einer fremden Praxis, was zunächst wie eine Selbstständigkeit ohne eigene Räume wirkt. Bei festen Arbeitszeiten und Einbindung in die Terminplanung der Praxis kann die Rentenversicherung die Tätigkeit jedoch als abhängige Beschäftigung (Scheinselbstständigkeit) einstufen, insbesondere wenn du mit den Geräten der Praxis arbeitest. In diesem Fall drohen beiden Seiten Nachzahlungen. Vor Aufnahme einer solchen Tätigkeit empfiehlt sich ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung.

Welche Vorteile bietet die Anstellung?

In einer Anstellung trägt der Arbeitgeber in der Regel die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Er zahlt den Urlaub und leistet im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Miete, Abrechnung und Personalführung liegen nicht in deiner Verantwortung. Im Gegenzug sind deine Entscheidungsspielräume geringer, und dein Einkommen ist durch den Arbeitgeber nach oben begrenzt.

Wie vorteilhaft eine Anstellung ist, hängt stark von der Praxis ab. Ein längerer Behandlungstakt, ein Empfang, der Terminvergabe und Verordnungen übernimmt, sowie bezahlte Fortbildungen verbessern die Arbeitsbedingungen spürbar. Den Zusammenhang zwischen Takt und Arbeitszeit erläutert der Beitrag Arbeitszeit und Behandlungstakt.

Rahmenbedingungen bei Rundum Gesund

Nadine Martin führt Rundum Gesund seit 2015. Heute arbeiten 30 Mitarbeitende an zwei Standorten in Berlin-Wittenau, davon 25 in der Therapie und 4 in Verwaltung und Empfang.

Als Angestellte oder Angestellter erhältst du bei uns 22–28 Euro brutto pro Stunde, je nach Qualifikation und Erfahrung, in Vollzeit oder Teilzeit. Du hast 30 Urlaubstage bei einer Fünftagewoche, bei weniger Wochenarbeitstagen entsprechend umgerechnet, und arbeitest bei Krankengymnastik und Manueller Therapie im 25-Minuten-Takt. Terminvergabe, Telefon und Verordnungen übernimmt der Empfang. Hinzu kommen eine betriebliche Altersvorsorge, ein Zuschuss zur BVG-Karte, Dienstrad-Leasing und eine Sachkostenpauschale. Fortbildungen wählen wir gemeinsam aus. Zuschuss und Freistellung vereinbaren wir vorab.

Offene Stellen findest du unter Stellenangebote. Passt keine davon, ist eine Initiativbewerbung über die Bewerbung möglich; Name und Telefonnummer oder E-Mail-Adresse genügen, ein Lebenslauf ist nicht erforderlich.

Häufige Fragen

Ist für die Selbstständigkeit Berufserfahrung erforderlich?

Für die Kassenzulassung nach § 124 SGB V benötigst du die Berufserlaubnis und geeignete Praxisräume. Erfahrung in Behandlung, Abrechnung und Praxisorganisation ist dennoch sehr hilfreich, bevor du das finanzielle Risiko übernimmst.

Besteht für selbstständige Physio­therapeuten Rentenversicherungspflicht?

In der Regel ja, solange du keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigst und überwiegend auf ärztliche Verordnung behandelst. Das regelt § 2 Satz 1 Nr. 2 SGB VI.

Welches Gehalt zahlt Rundum Gesund in Berlin-Wittenau in der Anstellung?

Wir zahlen 22–28 Euro brutto pro Stunde, je nach Qualifikation und Erfahrung.

Zahlen selbstständige Physio­therapeuten Gewerbesteuer?

In der Regel nicht. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten üben einen Heilberuf aus und gelten steuerlich als Freiberufler.

Quellen